Sabine Mohr Utopia und das Festland

Sabine Mohr Utopia und das Festland



Eine Bild-Text-Installation
Zur Eröffnung spricht Dr. Belinda Grace Gardner,
Jutta Hoffmann liest "Das Schweigen der Sirenen" von Franz Kafka u.a..
Geöffnet bis 27. Oktober 2019, dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr
Eintritt zur Eröffnung frei, danach 5,- / erm. 3,-

Angesichts der gesellschaftlichen Krise seines Landes wollte Thomas Morus 1516 mit seinem Werk „Vom besten Zustand des Staates oder von der neuen Insel Utopia“, die Phantasiefähigkeit seiner Landsleute fördern, damit sie nicht in Resignation, Passivität und Hoffnungslosigkeit verfielen. Die von ihm beschriebene Insel UTOPIA, griech.: Nichtort, lag damals noch in den weiten Gefilden unerforschter, atlantischer Meeresgegenden.
Seitdem hat sich der Begriff des Utopischen von einer räumlichen in eine zeitliche Kategorie gewandelt. So, als ließe sich die Hoffnung auf Verbesserung der (gesellschaftlichen) Zustände, immerhin in Zukunft noch erwarten.
Doch auch diese Vorstellung scheint nun der Geschichte anzugehören. Nach der Erkundung und Eroberung des physischen Raumes durch den Menschen, erweist sich auch die immaterielle Zeit als untauglich, das Schwungrad des Sehnens nach der Besten aller Welten anzutreiben. Angesichts der heutigen Dauerkrisen bedarf es mehr denn je der Phantasie, um nicht nur die Insel Utopia sondern auch das Festland vor dem Untergang zu bewahren (siehe auch: „Utopie Müdigkeit“, Leuphana Universität, Utopie Konferenz, Richard David Precht, 2018).

Inzwischen kommunizieren wir mit Lichtgeschwindigkeit, doch wer würde sich aktuell zutrauen das Bild einer Gesellschaft zu entwerfen, in der die Zukunft optimistisch, auch von unseren Kindern und Kindeskindern herbei gesehnt werden kann? Stattdessen befinden wir uns in einer sich selbst beschleunigenden
Dauerschlaufe des MEHR VON DEMSELBEN. Bilderschwärme des Untergangs auf allen Kanälen, Dystopien und Zerstörungsszenarien, Zynismus, Entfremdung, immer MEHR davon und die Wohlstandsgesellschaften feiern sich in ihrer unheimlichen Idylle selbst.
Wird es nun Zeit, den Fährverkehr zwischen der Insel Utopia und dem Festland einzustellen und diesem, NOCH NICHT ORT endgültig den Rücken zu kehren?
Getreu dem Kafka Text, “Beweis dessen, dass auch unzulängliche, ja kindische Mittel zur Rettung dienen können”, übernimmt die Künstlerin, die Rolle der Fährfrau und Ent-deckerin. Sie ist mit einem ungenügenden Instrumentarium von (Welt-) Modellen, Zeichnungen, Kartierungen und Phantomskulpturen ausgerüstet, um in den phantastischen Möglichkeitsraum aufzubrechen, der vor unserer Nase liegt und dessen Existenz trotzdem für immer ungesichert bleibt. Vielleicht ist da ja etwas übersehen worden?

Das Sichtbarmachen, sei es der Fliehkraft, der Schwerkraft und all der anderen Kräfte, führt zu einem spekulativen, essayistischen und spielerischen Versuch unsere ungelösten und doch so dringenden Fragen, vielleicht ja doch etwas zu entwirren. Die Schwerkraft überwinden, der Fliehkraft widerstehen, die zu Utopia leitenden Kräfte sind oft nur indirekt sichtbar und ebenso indirekt durch ihre Wirkung den sichtbaren Gegenständen eingeschrieben.
Vom Abstrakten zum Konkreten und zurück, Ahnen Utopias, Kartographien und Instrumente gefundene Beweise für ihre metaphorische Existenz. Objekte und Figuren verharren im Schwebezustand.

Alle Angaben ohne Gewähr.

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