Maria



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Simon Stephens, der britische Meister der Gegenwartserkundung, hat ein neues Stück geschrieben. Vor allem hat er eine eigensinnige Frauenfigur geschaffen: Maria, genannt Ria. Sie ist so jung wie das neue Jahrtausend. Ein Millennium-Baby, das nun früh selbst das erste Kind bekommt. Der Vater des Kindes ist eine Leerstelle. Ihre eigene Mutter ebenfalls, sie wurde von einem LKW überfahren, dessen Fahrer vollkommen übermüdet eine rote Ampel übersah. Seither ist auch ihr Bruder verschwunden, aufgebrochen, ohne zu sagen wohin. Und ohne zu merken, dass er damit seine Schwester in den Modus einer permanenten Suchbewegung versetzt hat. In szenischen Polaroids, in Dialogen, deren schrittweiser Entwicklung man beiwohnt, lässt Simon Stephens einen Beat entstehen, den man als Rias Heartbeat zu hören meint. Den Puls der Stadt, in der sie lebt, erfühlt sich Ria, indem sie sie erläuft – rastlos, auf der Suche nach etwas Unbestimmbaren, wie auch sehr konkret nach einem Menschen, der sie zur Geburt ins Krankenhaus begleiten würde.


„Maria“ ist ein Triptychon der letzten Dinge: Birth – Love – Death. Am Ende des ersten Teils „Birth / The Town“ bringt Ria ihr Kind zur Welt. Im zweiten  Teil „Love / The Screen“ hat sie ihren verhassten prekären Job in einem Fitnesscenter aufgegeben und widmet sich der Umsetzung einer eigenen Geschäftsidee: Sie verkauft Nähe im Internet, dezidiert „No Sex“. Von zuhause aus, mit der Webcam, unterhält sie sich mit einsamen Menschen in der Ferne, zahlbar pro Minute. Wie eigentlich ist es um das Verhältnis von Distanz und Nähe im digitalen Zeitalter bestellt? Wie lässt sich dies neu ausloten, wenn die technologischen Entwicklungen nicht nur das Leben der Menschen verändern, sondern den Menschen selbst? Der letzte Teil „Death / The Body“ ist ein einziges Long Goodbye: Ria besucht im Krankenhaus ihre Großmutter, die im Sterben liegt. Sie redet und redet, als könne sie damit den Tod aufhalten.

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